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SAMSTAG, 28. VI. 1997
WORTE ZAHLEN KEINE SCHULDEN
Jeder Tag hat seine Plage, bekanntlich, und heute wird mir nichts
erspart bleiben. Keiner konnte das Schicksalsphantom sehen und hören,
wie es mit trompetenhaftem Schreien über die nächtlichen Hügel raste. Es
reckt seine habsüchtigen Hände nach mir: Bei der mittäglichen Ankunft am
Briefkasten entdecke ich eines jener Couverts, die nur von meinem Vater
stammen können. - Mein Vater, der heute von Löwen und Scharfrichtern
begleitet zu sein scheint und in einem Gepränge von Schrecken
einherschreitet, hält fürchterlich Musterung und teilt mir in
wetterfesten, eisenharten Worten mit, dass ich ja nun schon siebzehn
Semester studierte, wie er verdankenswerterweise für mich ausgerechnet
hat, und dass er seine Unterhaltszahlungen einstellen werde (um seine
Formulierung zu |
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gebrauchen,
da mein Vokabular hier blinde Flecken aufweist). Das Schreiben ist im
Stil eines gerichtlichen Bescheides aufgesetzt. Auf der Schreibmaschine.
Auch kargt mein Vater wieder nicht mit Platitüden wie: Angetreten bist
du mit dem Versprechen, bIah-bIah... - Mein Vater ist Amtsrichter, auf
dem Lande, in der niedersächsischen Provinz, einer völlig flachen
Gegend. Ein schöner, stiller, unhastiger Landstrich. Die Wipfel seiner
Wälder rauschen verträumt, in der Heide blöken die Schäfchen, seine
Äcker dehnen und breiten sich, treu bestellt; das Dienstleistungswesen
ist unterentwickelt bis zur Dürftigkeit, und die Leute lassen sich durch
Fliegen in der Küche nicht aus der Ruhe bringen. ....
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